Neue Single von Mica Millar: Upbeat Soul inspiriert von Girl-Groups der 60er
Wenn eine Künstlerin nach einem intensiven Live-Moment merkt, dass ihre Setlist zu früh in langsame Gefilde abgleitet, entsteht daraus manchmal mehr als nur eine neue Nummer. Bei Mica Millar führte genau diese Erkenntnis nach einem Auftritt im Pariser New Morning zu einem Sound-Shift, der ihr kommendes Album prägen wird. Die britische Soul-Sängerin veröffentlichte am 30. April ihre neue Single „A Little More Time For Love“. Die Single ist Teil ihres zweiten Albums „A Little Bit of Me“, das am 5. Juni erscheint und im südfranzösischen Studio Miraval aufgenommen wurde.
Während ihr Debüt „Heaven Knows“ Mica Millar als Meisterin emotionaler Momente etablierte, setzt „A Little More Time For Love“ auf unmittelbare Energie und ist gezielt für Live-Auftritte geschrieben. Inspiriert von den Girl-Group-Platten der 60er Jahre – The Supremes, The Staple Singers, Aretha Franklin – fängt der Song ein Gefühl von Befreiung ein. Der Track entstand aus einer konkreten Bühnen-Erfahrung heraus, als eine Verwechslung der Setlist dazu führte, dass Millar und ihre Band unbeabsichtigt einen Großteil ihres üblichen Repertoires weglassen mussten.
Verlorene Kontrolle als Songthema
Als sie mit der Arbeit an „A Little Bit of Me“ begann, stellte sie sich die Frage, wie ein upbeat Mica-Millar-Album klingen könnte. Und baute den Track um Schlagzeug und Bass herum auf. Gemeinsam mit Emanuel Harrold, dem Bruder des Grammy-Gewinners Keyon Harold, arbeitete sie an Demo-Drums, die auf ihren Lieblings-Soul-Platten basierten, um die charakteristischen Patterns der 60er Jahre einzufangen.
Textlich dreht sich „A Little More Time For Love“ um die Ambivalenz einer toxischen Anziehung. Zeilen wie „I know you’re not what I need, I swear I’m gonna leave, but you’ve got a hold over me“ beschreiben den inneren Konflikt einer Person, die eigentlich gehen will, aber immer wieder zurückgezogen wird. Das dazugehörige Video zeigt Millar mit ihrer rein weiblichen Begleitband in lebensfroh inszenierten Bildern, die den emotionalen Ernst des Textes kontrastieren.
Authentizität aus der Panne heraus
Das Ergebnis ist ein Song, der sich sowohl vertraut als auch frisch anfühlt. Klanglich weitläufig, aber verankert durch Millars unverwechselbare Stimme, die zwischen Entschlossenheit und Verletzlichkeit changiert. „A Little Bit of Me“ ist ein Album, das nicht aus dem Bedürfnis entstanden ist, etwas zu beweisen, sondern aus dem Wunsch heraus, verlorene Teile ihrer selbst zurückzuholen.
Reich an Soul, Verletzlichkeit und handwerklicher Finesse bestätigt das Werk Mica Millar als eine der spannendsten Stimmen des britischen Soul. Und als Künstlerin, die keine Angst hat, die Komplexität zu zeigen, die sie menschlich macht. Kann ein Album, das aus einer Live-Panne heraus entsteht, am Ende authentischer klingen als eines, das von Anfang an durchgeplant war?
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