On the Road mit GHOSTWOMAN: „Welcome to the Civilized World“

Ghostwoman legen nach! Nach ihrem letzten Album „Hindsight is 50/50“ erscheint nun, anderthalb Jahre später, ihr viertes Studioalbum „Welcome to the Civilized World“. Das Duo Ghostwoman bestehend aus dem Kanadier Evan Uschenko und der Belgierin Ille van Dessel hören sich nun deutlich düsterer und verschwurbelter an. Das klingt erstmal eher nach Weltuntergang, als Aufbruch, aber vielleicht ist genau das gemeint. Ein Roadtrip gen Ende der Welt.

Ghostwoman: Die Band, die bis zum Ende spielt

Der Gedanke, dass wir uns mit der Zivilisation in den ultimativen Verfall stürzen, ist ja auch nicht ganz neu. Benannt ist das Album nach dem Kunstwerk eines Punk-Rock-Artist, bei dem es im zweiten Satz heißt „a rotten place to have brain“. Dennoch sind die Aussagen von Ghostwoman generell, wie auch der Albumtitel mit ein bisschen Ironie zu lesen. So lautet eine ihre Artist-Playlists auf Spotify „Songs we hate“, welche eindeutig „Songs they love“ sind.

Von dem Albumcover schaut uns Ille van Dessel aus der Froschperspektive vom Beifahrersitz an. „Are you along for the ride“, scheint ihr Blick zu sagen. Auch die Songs der Platte sind quasi on the road entstanden, mit einem Tape Recorder immer an ihrer Seite, zwischen dem Versuch Momente aufzunehmen und sich der Vergänglichkeit hinzugeben.

Welcome to the Civilized World“: Ein Soundtrack zu einem Horror-Hippie-Road-Movie

Der eerie Anfang des Titeltracks „Welcome to the Civilized World“ lässt Unheilvolles erwarten. So simpel und doch genial ist der Einstieg mit ein paar Klavieranschlägen, die scheinen aus einem verlassenen Gebäude oder lost place zu kommen.

Doch dann skippen wir zu Beginn des Horrorfilms on the Road; ein Trip auf dem das neue Tape von Ghostwoman in den Recorder geschoben wird. Ein Tape, was einen in den Bann zieht, in welchem man sich verlieren kann. So unterschiedlich die Stücke doch untereinander sind, haben sie alle eine gewisse tranceartige Qualität.

Dieser (road)trippy Vibe kommt auch deutlich in ihrem Song „Alive“ und dem dazugehörigen Video zum Tragen. Darin soll es tatsächlich um einen besonders schönen Tag in Belgien gehen, dennoch hat Evan Uschenko schon zuvor davon abgeraten nach zu viel Inhalt in ihren Songs zu suchen:

Wir ziehen es vor, nicht verstanden zu werden. Wenn Sie in diesen Texten eine Bedeutung suchen, würde ich vorschlagen, stattdessen eine Lenny Bruce-Platte zu kaufen

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Die visuelle Inszenierung zieht sich durch. Ob in den zeitgerafften, paranormalen Sequenzen von „5 Gold Pieces“ oder dem verlorenen, verlassenen Countryside-Ambiente in „Levon“ und „that Jesus“.

„Soul Searching“, Eskapismus und Therapie für Ghoastwoman

Ghostwoman wollen nicht mehr so viel, so scheint es beziehungsweise scheint es als würden sie aufgeben zu kämpfen, sich zurückziehen und sich dem widmen was ihnen Freude macht: Musik machen.

Auch wenn der Albumtitel wie ein politisches Statement wirkt, entziehen sie sich dem politischen Kampf und versuchen sich der Bedeutungslosigkeit hinzugeben, vielleicht auch darin ein stückweit Trost zu finden. In Interviews antworten Ghostwoman auf die Nachfrage, was in der Zwischenzeit passiert wäre, häufig mit „life“. Beide Bandmitglieder haben in den vergangenen Jahren Freund*innen an Suizid verloren.

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Ihre Musik ist etwas, was sich doch als treibende Kraft durch ihr Leben zieht. In einem Interview beschreibt Evan Uschenko es als eine Sucht und eine Therapie zugleich, und zumindest als etwas, was wenn man auch von der Bedeutungslosigkeit umgeben scheint, einen Sinn geben kann.

Das Gleiche versucht das Duo den Besucher*innnen auf einem Ghostwoman-Konzert mitzugeben: „We just like to make noise, and if you like to hear noise, maybe you will find what we do palatable“. („Wir mögen es einfach ‚noise‘ zu machen. Und wenn du ‚’noise‘ magst und dann findest du das was wir machen vielleicht genüsslich“).

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