Beslik zeichnet mit neuem Album ein Bild innerer Zerissenheit
Nach zahlreichen Tapes meldet sich Beslik, auch bekannt als Beslik Meister, mit seinem Debütalbum „Lieder, die ich geschrieben habe anstatt aus dem Fenster zu springen“ zurück. Der außergewöhnlich lange Titel ist dabei sinnbildlich für das, was einen auf der Platte erwartet. Weltschmerz, innere Kämpfe und viel Emotionalität ziehen sich durch das gesamte Album. Doch vor allem auf der Sound-Ebene schlägt Beslik nun eine andere Richtung ein: weg vom Techno-Rap, hin zu melodischeren und musikalisch klassischeren Produktionen.
Auf dem letzten Tape „junge, sieh zu dass du mal klarkommst“ wirkte es noch, als würde er sich der wachsenden Welle an Techno-Rap-Artists anschließen. Doch das neue Album zeigt: Er hat erkannt, dass die Musikwelt nicht den X-ten Ski Aggu braucht, nur weil sich dies gerade gut vermarkten lässt.
Ein kompletter musikalischer Wandel
Bereits der Opener „Guten Morgen Deutschland“ markiert den klaren Abschied vom alten Sound. Beslik blickt darin auf seine bisherige musikalische Phase zurück und räumt mit dem alten Stil auf:
„Atlantic wollte sign’n, ich hab‘ gedacht, jetzt werd‘ ich reich, heh / Erste Hälfte Vorschuss hab‘ ich reingekotzt in‘ Rhein / Techno-Songs gemacht damit’s für die Masse stimmt / Leute sagen: „Er denkt Aggu“, ich mein‘, hätt ja klappen könn’n“
Dennoch klingt es nicht so, als würde er den Versuch, Musik für die Masse anstatt für die Kunst zu machen, bereuen. Letzten Endes ist er allerdings weder der erste noch der letzte Künstler, der durch einen Major-Deal an kreativer Freiheit einbüßen musste. Für „Lieder, die ich geschrieben habe anstatt aus dem Fenster zu Springen“ hat Beslik Atlantic Records hinter sich gelassen und arbeitet nun mit ivy Records zusammen.
Der Sound der Platte schlägt eine klare 180-Grad-Wende im Vergleich zum vorherigen Tape ein. Tracks wie „WWW“ und „voll&ratchet“ setzen auf klassische HipHop-Ästhetik und 808-lastige Beats. „BDEB“ mit Tiavo – dem einzigen Feature des Albums – überzeugt mit Gitarrenelementen und einer fast hymnischen Hook. Am prägnantesten bleiben jedoch die zahlreichen Piano-Passagen, die große Teile des Albums prägen und den melancholischen Grundton verstärken. Nur vereinzelt durch emotional aufgeladene Upbeats durchbrochen, entsteht ein insgesamt sehr atmosphärisches Klangbild.
Innere Zerrissenheit und Weltschmerz
Mit dem neuen Album scheint Beslik seine künstlerische Freiheit wiedergefunden zu haben. Die Tracklist wirkt sorgfältig arrangiert, jeder Song scheint bewusst an seinem Platz zu stehen. Besonders deutlich wird das im Übergang zwischen „es ist ok“ und „so ein schöner Tag – Interlude“. Der erste Track endet auf einem Sample der Vocal-Passage des Kinderliedes „so ein schöner Tag“ und vermittelt genau das, was sein Titel ankündigt: ein vorsichtiges „es ist ok“, trotz einer Welt, die versucht, ihn herunterzuziehen.
Im Interlude kippt die Stimmung abrupt. Er setzt mit denselben Worten des Kinderliedes ein und führt sie fort: „heut ist so ein schöner Tag / um sich nh Kugel in den Kopf zu jagen“. Beslik zeichnet damit ein diametral entgegengesetztes Bild. Der nahtlose Übergang macht die plötzliche emotionale Kehrtwende besonders eindringlich. Auch dieser Track endet wieder auf einem Sample des Kinderliedes – ein künstlerisches Detail, das die innere Spannung zwischen Hoffnung und Verzweiflung verstärkt.
Dieses Beispiel zeigt, wie viel Liebe zum Detail in „Lieder, die ich geschrieben habe anstatt aus dem Fenster zu springen“ steckt. Gleichzeitig wird die innere Zerrissenheit sichtbar, die sich wie ein roter Faden durch das gesamte Album zieht und es so nahbar macht. Neben seinen persönlichen Kämpfen kommt eine ordentliche Portion Weltschmerz hinzu, wie besonders in „Wolken auf der Stadt“ deutlich wird:
„Grauer Rauch und Schnaps, das ist meine Medizin / Ich fühl‘ mich davon nicht besser, aber aufhör’n will ich nie / Wenn du kommst, schließ die Haustür ab / weil davor ist Krieg“
Viel Herzschmerz, viel Detailarbeit
Wer auf Besliks neuem Album Freude, Leichtigkeit oder den Sound des vorherigen Tapes sucht, wird enttäuscht. Wer jedoch melodische, herzzerreißende und emotional tiefgehende Tracks schätzt, wird hier fündig. Ob man diesen Richtungswechsel mag, bleibt einem selbst überlassen. Fest steht aber: Beslik hat sich hörbar weiterentwickelt, einen neuen Sound gefunden und diesen auf „Lieder, die ich geschrieben habe anstatt aus dem Fenster zu springen“ mit großer Sorgfalt umgesetzt. Die Platte wirkt deutlich erwachsener als ihre Vorgänger.
Bis kurz vor Weihnachten geht Beslik nun mit seinem neuen Album auf seine erste Solo-Tour. Bisher war er nur mit seiner Rap-Crew, den Boloboys aufgetreten. Dann wird sich zeigen, ob er die emotionale Intensität der Platte auch live transportieren kann.
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