Sich beim Zurückgehen finden: Jassin auf dem „Arsenalplatz“

Es gibt diese Orte, die einen für immer geprägt haben. Die in einem etwas auslösen, sobald man wieder dort ist. Für den noch jungen Jassin ist das der Arsenalplatz in Lutherstadt-Wittenberg – ein Ort, der Heimat und die Suche nach mehr vereint; ein so signifikanter Ort, dem er den Titel seines Debütalbums widmet. Zurecht.

Wir springen zwischen den 2015er Jahren und heute. Klebriges Mixery Bier, billiges Gras und ’ne Menge melancholischer Komfort machen den Vibe komplett: Willkommen auf dem Arsenalplatz. Auf Jassins allerersten, gleichnamigen Platte beschreibt der Newcomer aber nicht nur einen zentralen Treffpunkt seiner ostdeutschen Heimatstadt, sondern besingt kritisch und nostalgisch eine Zeit voller erster Male, Entfremdung und der Suche nach Verständnis in einer krisenhaften Welt.

„Wittenberg represent“

Auch wenn Jassins erste EP „Kinder können fies sein“ gerade mal ein knappes Jahr alt ist, zeichneten ihn bisher vor allem seine politischen Statements zum Aufwachsen in Ostdeutschland aus. Doch abgesehen vom lungernden Rechtsruck und Alltagsrassismus will Jassin auf „Arsenalplatz“ nun stattdessen die heimischen, persönlichen Seiten seines Kleinstadtlebens betonen; abseits vom großen Ganzen, das weltlich und politisch gesehen schiefläuft. Musikalisch verpackt in gefühlvollem Indie-Sound, Rap und Elektroeinschüben.

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Auf Jassins letzten drei Singles – „Arsenalplatz„, „Wann trennt ihr euch“ und „Dein Herz“ – konnten Fans bereits erahnen, in welche Richtung sein Debütalbum gehen würde. Als junger Artistn innerhalb von knapp anderthalb Jahren einen signature sound zu kreieren ist nicht nur beachtlich, aber vor allem selten. Doch Jassin schafft es; den Balanceakt zwischen ehrlichem Rap und verletzlichem Indie-Pop. Den Bruch mit toughen Rapperidealen und Indie-Sad-Boy Stereotypen. Denn: „man kann auch zwischen Stühlen sitzen“, stellt er auf dem zweiten Track der Platte fest. „Dazwischen“ ist immer etwas frei; für alle, die ihren Platz noch suchen.

Sonnenbankflavour und Selbstzweifel

Jassin beweist, dass Deutschrap heute anders klingen darf – auch während man zeitgleich Anerkennung für ikonische Raplegenden zollt: Bushidos 2006er „Sonnebankflavour“ klingt im Hintergrund, während der 20-Jährige Jassin von seiner Freundin, ermüdender Identitätssuche und der bröckelnden Psyche rappt („Sonnebankflavour“). Seine verletzlichen Lyrics reihen sich so nicht nur nahtlos in typische Gen-Z-Erfahrungen ein, sondern bieten in „Arsenalplatz“ einen Ort zum Sein: hier hat jede Erfahrung Platz. Wut, Hoffnung, Schmerz und das Wissen, dass alles besser wird, bilden nicht nur ein Gefühl, sondern eine ganze Platte.

Hätt‘ nicht gedacht, dass einmal durch die hölle der weg zum himmel ist“ (Jassin – „Aufstehen“)

Dabei erzählt Jassin offen. Sehr offen. „Mama, wann trennt ihr euch?“ ist vielleicht der brutalste Scheidungskindersong seit langem. „Wie immer ist“ tut zum Albumschluss nochmal wohlig-weh, eben weil der Verlust, von dem er rappt, so echt und nachvollziehbar ist.

Und gleichzeitig streut Jassin diese kleinen Alltagsszenen ein, die sofort ein Bild erzeugen, das einen in die eigene Jugend zurückkatapultiert: der erste „Tag danach“. Rap auf öffentlichen Plätzen ballern. Mit dem Roller über Landstraßen pesen. Momente, die sich inmitten der heutigen Ü20-Überforderung im Kopf viel geiler anfühlen, als sie es vermutlich damals waren.

„Wieder zurück“ zu sich selbst

Auch wenn Jassin nur eine knappe halbe Stunde auf „Arsenalplatz“ seine Storytelling-Skills beweist, bleiben die Bilder, die er malt, im Kopf. Mit seinem einzigen Feature Edwin Rosen hätte er sich vermutlich keinen besseren Gast für’s nostalgische „In-Erinnerung-Schwelgen“ aussuchen können. Jassins high notes und die Synth-Solos in „Wieder zurück“ brennen sich gemeinsam mit Edwin Rosens typisch, melancholischen Stimme tief ein. Zu zweit widmen sie sich Zeiten, die damals überfordernd waren und auf Jassin heute sicherer wirken. Vertrauter. Fast „back-to-the-roots“ mäßig, mit vollster Dankbarkeit für das, was mal war und das, was jetzt ist. Alles, auf einem Album gebündelt.

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Jassin auf „Wintertour 2025“

Nachdem Jassin im Frühling diesen Jahres bereits seine erste „KKFS Tour 2025“ restlos ausverkauft hat, folgt nun im Dezember seine zweite, ebenfalls (fast) ausverkaufte Tour. In insgesamt zehn Städten spielt der Newcomer Tracks seines Albums sowie Songs seiner ersten EP „Kinder können fies sein“. Tickets findet ihr hier.

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