Vegas „König ohne Krone“ – Ein Album mit zwei Seiten

Mit „König ohne Krone“ veröffentlicht der Frankfurter Rapper Vega sein inzwischen neuntes Album. Der Titel ist eine Referenz an einen Song seines Debütalbums „Lieber bleib ich broke“ aus dem Jahr 2009. Vega bleibt seiner Linie zumindest in einer Sache treu, damals wie heute steht seine Stadt Frankfurt am Main im Mittelpunkt. Die Liebe zu ihr, die ihn gleichermaßen fordert wie trägt, zieht sich wie ein roter Faden durch sein Schaffen. Wer Vega hört, kommt an FFM nicht vorbei – das wird spätestens auf dem Song „Zu Haus“ klar.

„als kleines Kind wusst‘ ich, dass ich bleiben will / die beste Aussicht ganz egal wie dreckig deine Scheiben sind / zwischen lauten Clubs, Druffis und Bänkern / du bist perfekt so, du musst dich nicht ändern“

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Inhaltlich anders als erwatet

Nach der ersten Singleauskopplung „Überlebt“ ließ sich vermuten, dass Vega genau wusste, warum er diesen Track als Opener seines neuen Albums gewählt hat. Bereits in den ersten Zeilen bereitet er einen thematisch nahtlosen Übergang von seinem letzten, von Melancholie und Abstürzen geprägten Album „Wieso sie Stürme nach Menschen benennen“ zu „König ohne Krone“ vor.

„Sie sagen jeder Sturm zieht vorbei doch der letzte, der war ich selber / Hätte nie gedacht, dass ich ihn übersteh / Das erste Mal seit drei Jahr’n das Gefühl es wird langsam heller / Hätte ich nie gedacht, doch ich hab mich überlebt“

Doch das sich hier andeutende Konzept sowie die fortschreitende Entwicklung, die diese Zeilen versprechen, sucht man auf dem Album weitgehend vergebens. „König ohne Krone“ wirkt inhaltlich eher wie eine lose Ansammlung von Songs, die in ihrer Zusammensetzung fast mixtapeartig erscheinen.

Der positive Einstieg des überwundenen Sturms mündet letztlich in einem Balanceakt zwischen Selbstreflexion und Selbstprofilierung. Zwei Themen, die im deutschen Hip-Hop zwar oft Hand in Hand gehen, hier aber nicht immer überzeugend zusammenfinden.

Auf Tracks wie „Is was?!“ oder „Was ich mach“ präsentiert sich Vega mit Zeilen wie „Geh weiter mein’n Weg wie das Wasser, dass in den Bächen fließt / Gesegnet von oben, dass heißt der liebe Gott hört Rapmusik“ als der unerschütterliche Macher, der alles kann und schafft. Umgekehrt zeigt er auf „Überlebt“ oder ruhigeren Songs wie „Pass auf mich auf“ seine verletzlichere Seite. Diese Gegensätze führen jedoch dazu, dass man als Hörer*in konstant nach dem roten Faden der Platte sucht.

Wortgewandt und Atmosphärisch Stark

Nimmt man Abstand von der stellenweise inkonsistenten Zusammenstellung, zeigt sich: Die Songs funktionieren als Einzelstücke dennoch gut. Das liegt zum einen an Vegas Wortgewandtheit und zum anderen daran, dass die einzelnen Tracks jeweils präzise auf ihr jeweiliges Stimmungsbild abgestimmt sind. Wenn ein Song mit roher Energie nach vorn gehen soll, sind die Elemente düster, basslastig und kantig – ganz im Stil der Frankfurter Schule. Wird es emotionaler, kommen Synthflächen, warme Samples und hymnenartige Hooks zum Einsatz. Aus dieser Perspektive könnte man sagen, das Album überzeugt gerade durch seine Vielseitigkeit und Vielschichtigkeit.

Auch die Features sind größtenteils stimmig gewählt. ANU und LUNA verleihen den Songs durch ihre weichen Stimmen emotionale Tiefe, Celo & Abdi unterstreichen das raue Frankfurter Image und Casper harmoniert mit Vega ohnehin seit Jahren auf natürliche Weise. Mit dem Shindy Feature ist endgültig klar: Der Beef von vor zehn Jahren ist Schnee von gestern. Nur das Kontra K Feature sorgt für gemischte Reaktionen. Einerseits wegen seiner umstrittenen Reputation, andererseits, weil sein Part auf „Beende mich“ letztlich wenig Aussagekraft besitzt.

Starke Momente ohne klaren Kern

Am Ende überzeugt „König ohne Krone“ vor allem durch Vegas lyrische Qualitäten und die Atmosphäre seiner Songs. Ein Großteil der Tracks ist entweder durch seine rohe Energie oder durch seine emotionalen Zeilen empfehlenswert. Was dem Album jedoch fehlt, ist ein klarer roter Faden – ein verbindendes Element, dass die Einzelstücke zu einem geschlossenen Gesamtbild macht.

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Ab September geht Vega auf Tour und wird zeigen, ob „König ohne Krone“ auch live das halten kann, was es im Studio nur andeutet.

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