Freya Ridings öffnet mit „Mother of Pearl“ das Tor zu ihrer Seele
Freya Ridings meldet sich mit einem Sound zurück, der sofort einnehmend wirkt und die Messlatte für modernen Indie-Pop verdammt hoch legt!
Manchmal braucht es nur wenige Takte, um zu wissen, dass ein Album einen so schnell nicht mehr loslässt. Mit “Mother of Pearl” serviert Freya Ridings genau eins dieser Werke das mit viel Tiefe und femininer Stärke überzeugt. Das Album verströmt eine einnehmende, bittersüße Melancholie die sich anfühlt wie ein spätsommerlicher Regenschauer: schwer, emotional, aber unendlich beflügelnd. Freya gelingt der Spagat zwischen intimer Verletzlichkeit und epischer, fast schon theatralischer Wucht und schafft einen Sound der die Seele wärmt.
Introducing: FReya Ridings
Um den Sound von “Mother of Pearl” besser zu verstehen, lohnt sich ein intensiver Blick auf den Weg der britischen Singer-Songwriterin. Denn Freya Ridings ist längst kein unbeschriebenes Blatt mehr, sondern hat sich als eine der kraftvollsten Stimmen Großbritanniens etabliert. Spätestens mit ihrem gigantischen Durchbruch “Lost Without You” im Jahr 2017 und ihrem darauf gefolgten selftitled-Debütalbum von 2019 weiß man: Diese Frau braucht keine pompösen Effekte, um Konzerthallen zu füllen – ihre Stimme und ein Klavier reichen völlig aus.
Nach dem Nachfolger “Blood Orange” (2023) markiert “Mother of Pearl” nun ihr mittlerweile drittes Studioalbum und festigt ihren Status als absolute Ausnahmekünstlerin, die emotionales Storytelling nahezu studiert hat.
Ein Neuanfang auf der anderen Seite des Atlantiks
Hinter ihrem dritten Werk steckt jetzt aber auch ein radikaler Befreiungsschlag. Für “Mother of Pearl” verließ Freya Ridings ihre Heimat London und ging für ein Jahr nach Los Angeles. Das war eine bewusste Flucht vor dem enormen Druck der Musikindustrie, die jahrelang versucht hatte, die Musikerin in eine ganz bestimmte, massentaugliche Form zu pressen.
In L.A. fand sie dann endlich ein Umfeld, das sie nicht verbiegen wollte. Dort hat sie mit renommierten Songwriter:innen und Produzent:innen wie Jenn Decilvio, Fraser T Smith, Toby Gad und Sam de Jong zusammen gearbeitet. Menschen, die ihr auf Augenhöhe begegneten und ihr wirklich zuhören wollten.
„Man konnte die Energie und die positive Einstellung spüren, die sie ausstrahlten, und das hat mich wirklich wieder aufgeladen“, erzählt Freya von dieser Zeit. Und diese neu gewonnene Freiheit hört man jedem Song an: Das Album ist spürbar aufgeladen von Rebellion und einer tief sitzenden, weiblichen Wut – intensiven Emotionen, die Freya Ridings zuvor in ihrer Karriere schlichtweg nicht ausdrücken durfte oder konnte.
Stilgetreue Reife statt radikaler Kehrtwende
Mother of Pearl knüpft grandios an das Erbe ihres Durchbruch-Hits “Lost Without You” an. Durch ihre kreative Unabhängigkeit wirkt die Produktion jedoch deutlich gereifter, komplexer und selbstbewusster.
Das emotionale Fundament bilden weiterhin ihre typischen, ruhigen Klavier-Songs. Ein perfektes Beispiel ist die Single “I Have Always Loved You” , ein reduzierter, zutiefst berührender Track, der sofort Erinnerungen an den bittersüßen Soul-Pop einer Adele wachruft.
Darüber hinaus erweitert sie ihr Spektrum und wagt sie sich an verspielte whimsical Melodien, facettenreiche neue Instrumentalisierungen und opulente Chöre. Songs wie“Wild Horse” oder der Opener “Euphoria” brechen aus dem reinen Balladen-Korsett aus. Und wenn die Songs durch die Chöre und mitreißenden Drums plötzlich richtig groß werden, kriegt das Ganze einen richtig epischen Indie-Pop-Vibe. Das erinnert (nicht nur stimmlich) extrem an die Wucht von Florence & the Machine oder auch den atmosphärischen Sound von London Grammar.
Beim Debütalbum wurde von einigen Kritikern noch eine gewisse Monotonie bemängelt – ein Vorwurf, den Freya Ridings mit der neuen Platte elegant entkräftet. Durch die Einbindung von Chören und einer vielschichtigeren Instrumentierung bringt sie spürbar mehr Dynamik in ihre Musik. Und doch bleibt sie ihrem unverkennbaren Stil absolut strikt treu.
Ein Album das neues wagt und sich dennoch treu bleibt
Wer auf Mother of Pearl nach großen Überraschungen oder einer völligen Neuerfindung von Ridings sucht, wird hier nicht fündig werden. Es gibt keine unvorhersehbaren Genre-Crossover oder gewagte Stilbrüche. Wer genau diese Experimente vermisst, wird mit diesem Album also vermutlich nicht glücklich werden. Wer Freya Ridings bisher aber genau für diesen tiefgründigen, melancholischen Stil geliebt hat, wird mit diesem Album mehr als zufrieden sein. Denn am Ende liefert sie genau das, was sie am besten kann – und treue Fans können sich darauf freuen, nun 11 weitere Songs zu ihrer Playlist hinzufügen zu können, die perfekt in diesen unverkennbaren Kosmos passen.
Alle die den neuen Sound schon jetzt live erleben wollen, haben bereits im Oktober die Chance dazu. Dann bringt Freya ihr neues Album in fünf deutschen Städten im Zuge der „Mother of Pearl“-Tour auf die Bühne.
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