Brockhoff schält sich auf „Easy Peeler“ aus ihrer Hülle

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Nach langem Warten hat Brockhoff nun endlich ihr Debütalbum veröffentlicht. Mit „Easy Peeler“ liefert uns die Musikerin auf insgesamt 14 Songs Einblicke in ihre Gefühlswelt. Auf der neuen Platte wird diese mal düster, mal lässiger vertont und Brockhoff zeigt, wie geschliffen ihr Sound mittlerweile klingt.„Easy Peeler“, zu deutsch so viel wie der „einfache Schäler“. Wer diesen Albumtitel etwas verwirrend findet, dürfte mit dem Hören der Platte aber ein wenig Klarheit bekommen.

Denn auf „Easy Peeler“ vertont Brockhoff die Ungewissheit, auf die man oft bei Menschen stößt, wenn man sich gerade kennenlernt oder schon Jahre lang kennt. Man weiß nie, was sich hinter der vermeintlichen Fassade verbirgt. Harte Schale, weicher Kern, wie man bekanntlich sagt? Oder bleibt es jedes Mal aufs Neue eine mühsame Schälerei, um an das Innerste heranzukommen? Ihren Hörer*innen beweist Brockhoff auf dem Debütalbum nun, dass sie ein „Easy Peeler“ ist.

Coming of Age mit brockhoff

Das dürfte für Fans nicht unbedingt unerwartet kommen, denn die rohe Ehrlichkeit macht Brockhoffs Musik seit Beginn aus. Schon auf der ersten Single aus dem Frühjahr 2022 erzählt die Hamburgerin klar und direkt von einer zwischenmenschlichen Beziehung mit ihren geradeheraus-gesungenen Lyrics wie „Don’t you wanna come to my side of the bed?“. Diese nahbare Gefühlswelt enthält uns die Musikerin nun auch auf „Easy Peeler“ nicht vor.

Auf der Debütplatte erzählt sie von ihren Erfahrungen der vergangenen Jahre und dem bittersüßen Gefühl, das uns beim Erwachsenwerden ständig unterschwellig begleitet. Die Sehnsucht nach Neuem, die dabei immer wieder von dem Schmerz der Vergangenheit eingeholt wird.

Das Wissen, dass man nie wieder zurückkehren kann zu der Version einer Selbst, zu den Erlebnissen und den Gefühlen, in denen man gesteckt hat, kann manchmal erdrücken. Auf dem Album dürfen deswegen auch Songs über die Liebe nicht fehlen. So handelt „The Carpet Song“ zum Beispiel von den chaotischen Gegensätzen der ersten Liebe. Man kann also sagen, dass „Easy Peeler“ eine Coming-of-Age-Platte ist.

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Nicht nur thematisch fängt Brockhoff auf „Easy Peeler“ das Erwachsenwerden ein wie wir es von anderen Alben wie Paula Hartmanns Debüt „Nie verliebt“, „Wir verglühen“ von Lena&Linus oder „Sofa Kings“ von Royel Otis kennen. Damit reiht sich Brockhoff – auch wenn sie auf Englisch singt – in die deutsche Indie-Szene ein, in der Hörer*innen diesen Themen praktisch nicht auskommen.

Die vier Singles, die schon vor Albumrelease veröffentlicht wurden, haben Fans schon einen Einblick in das gegeben, was sie musikalisch vom ersten Longplayer erwarten dürfen. Die Songs finden wir nun direkt zum Anfang von „Easy Peeler“. So wird das Album auch von dem titelgebenden Track „Easy Peeler“ eröffnet. Eben dieser gibt uns beim Hören schon den passenden Vorgeschmack auf das, was uns von den verbleibenden Songs erwartet.

Denn während viele Musiker*innen im deutschen Indie im „klassischen Indie-Sound“ ihre Gefühle kundtun, schlägt Brockhoff musikalisch eine rockigere und weniger austauschbare Kerbe ein.

vielschichtigkeit und Grunge-gitarren

Die Grunge-Gitarren, die Brockhoff schon seit ihrem musikalischen Debüt vor vier Jahren begleiten, bekommen nun auch auf „Easy Peeler“ ihren gebührenden Platz, wie der Titeltrack beweist. Schnell, laut und eingängig setzt Brockhoff mit dem Opener den Ton für die verbleibenden Tracks. Geschliffen und vielschichtig präsentieren die Songs die facettenreichen Emotionen, die Brockhoff besingt.

Mit verzerrten Klangbildern, wie wir sie bei „Japanese Garden“ hören, werden beispielsweise die widersprüchlichen Gefühle transportiert. Das Schälen übernimmt Brockhoff selbst, denn mit jedem Song wird die Hülle abgebaut und gibt mehr Einblick in das Innere der Sängerin. „I travel further in time/ Get stuck in the place where I started to feel/ Scared of what I might find“, das Beziehungen und Dynamiken sich nicht immer einfach navigieren lassen, vertont Brockhoff hier.

Soundsuche beendet?

Zwischen den übersteuerten Sounds finden sich aber auch reduzierte Songs wie „It Never Happened“ – leichte Gitarrenklänge begleiten Brockhoffs sanfte Stimme. Der Track bringt Ruhe in den Trubel, der mit dem Aufwachsen und ständig neuen Eindrücken verbunden ist.

„I only came home for the funeral/ Of someone I once squeezed a hand/ I can’t even cry“ – Auf dem Song setzt sich die Musikerin mit der Vergänglichkeit auseinander, die wir manchmal im Wirbel des Lebens vergessen. Ihre Nahbarkeit hilft dabei, sich mit den eigenen Wunden auseinanderzusetzen und Verletzlichkeit zuzulassen. Verluste gehören leider zum Erwachsenwerden dazu.

Was die Musik im Gesamten angeht, hat man beim Hören von „Easy Peeler“ das Gefühl, Brockhoff hat ihren Sound gefunden und daran geschliffen. Die an Grunge angelehnten Gitarren, wie wir sie schon von der ersten EP „Sharks“ oder Songs wie „Why“ aus 2023 kennen, bleiben Fans nun auch auf dem Debütalbum erhalten.

14 Songs für ein Debütalbum sind dabei beachtlich, sorgen aber auch teils dafür, dass einzelne Tracks in der Menge etwas untergehen und nicht wirklich im Kopf bleiben. Dennoch – auf „Easy Peeler“ beweist Brockhoff, dass es für ihre Tiefgründigkeit das Zusammenspiel aus vielfältigen Instrumentals braucht.

cheerleading mit brockhoff?

Der Vibe des Albums erinnert beim Hören an die 90er- und 2000er-Jahre. „Easy Peeler“ versetzt einen beim Hören in eine Serie wie The O.C, One Tree Hill oder andere ikonische Serien aus dieser Zeit.

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Die leichten Melodien wie bei „Blue Star“ könnten dabei Hintergrundmusik zu einer Filmmontage über die Freundesgruppe und ihr Aufwachsen sein. Wenn der Soundtrack damals von Bands wie The Killers, Kelly Clarkson oder Bloc Party stammte, dann kann man heute auf jeden Fall die Musik von Brockhoff mit in das Sounddesign aufnehmen.

Passend könnten die Lyrics daher nicht sein: „It’s still sunny at your place when I’m/ Reminiscing about the old days/ I feel it burning but at least I know/ I was in love“. Und weiter im Refrain mit „Are we cool now/ Or did we break the rules now“. Das Gefühl von jung sein und sich noch nicht mit den ernsten Dingen des Lebens befassen zu wollen oder müssen.

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Passend dazu ziert eine Cheerleader-Uniform mit den Worten „Easy Peeler“ das Albumcover – wie wir sie aus den US-amerikanischen Klassikern nur zu gut kennen. Außerdem auch eine bittersüße Hommage an das Älterwerden, es ist schließlich unausweichlich mit all seinen Höhen und Tiefen. Cheerleader für seine eigene Reise zu sein und sich zu unterstützen auch wenn es nicht immer einfach ist.

Soundtrack zum tagträumen

Brockhoff schenkt uns mit „Easy Peeler“ nicht nur ein stabiles Debütalbum, sondern Musik, die der Soundtrack zum Tagträumen und den anstehenden Sommer ist. Voller nostalgischer Klänge in den Sommer starten und auf unseren „Hot Wheels“ durch die Gegend schlittern.

Das Debütalbum beweist die Entwicklung der jungen Künstlerin. Brockhoff hat uns in den vergangenen Jahren nicht nur an ihrer musikalischen Reise teilhaben lassen, sondern auch an ihrer persönlichen und legt ihre Schale bzw. Hülle ab. Damit liefert sie uns den perfekten Soundtrack um uns in der Melancholie nicht zu verlieren und den Weg des Erwachsenwerdens auch mal zu genießen.


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