Tal Arditi veröffentlicht Love Myself – sein intimstes Album über Selbstzweifel
Kann man lernen, sich selbst zu lieben, oder bleibt es für immer ein Versuch? Tal Arditi stellt sich dieser Frage mit seinem neuen Album „Love Myself“ und verzichtet dabei bewusst auf einfache Antworten oder erhobene Zeigefinger.
Der in Berlin lebende Singer-Songwriter sieht sein neues Album nicht als Selbsthilfe-Manifest, sondern als Protokoll eines inneren Ringens mit Selbstzweifeln und überhöhten Ansprüchen. „Love Myself“ erschien am Freitag auf Mouthwatering Records und dokumentiert zwei Jahre intensiver Selbstreflexion, in denen Tal Arditi versuchte, seine eigene Unvollkommenheit nicht nur zu ertragen, sondern auch anzunehmen. Das Album wirkt wie ein musikalisches Tagebuch, in dem jeder Song einen Moment zwischen Ehrgeiz und Enttäuschung, zwischen Hoffnung und Selbstkritik festhält. Hier einmal ein kleiner Einblick.
Südfrankreich und Großmutters Stärke
Die elf Tracks erzählen von den Menschen und Momenten, die Arditi geprägt haben, ohne dabei in sentimentale Verklärung abzurutschen. In „Supernatural Loving Star“ reflektiert er über die bewunderte innere Stärke seiner Großmutter, während „In Between World“ drei intensive Tage in Südfrankreich Revue passieren lässt.
Arditi schreibt dabei ohne Schutzschicht und lässt seine Hörer*innen an einem Dialog teilhaben, der mindestens ebenso an ihn selbst gerichtet ist wie an sein Publikum. Die Texte wirken nicht wie fertige Statements, sondern wie offene Gedanken, die noch in Bewegung sind. Als würde man jemandem beim lauten Nachdenken zuhören.
Reduziert und doch experimentell
Klanglich bricht der Berliner Wahlheimkehrer mit eigenen Erwartungen und wählt einen überraschend reduzierten, klaren Sound statt virtuoser Gitarrenakrobatik. Der ausgebildete Jazzgitarrist, der bereits mit 18 sein Studium abschloss und international mit Acts wie Black Sea Dahu tourte, erweitert seine musikalische Sprache erstmals um Samples und experimentelle Texturen.
Die sorgfältige Produktion gibt jedem Song genau den Raum, den er braucht, ohne die intime akustische Grundlage aufzugeben, die seine Musik zwischen José González und Nick Drake verortet. Für Arditi fühlt sich „Love Myself“ wie sein eigentliches Debütalbum als Singer-Songwriter an – eine Neupositionierung, die mit einer Frühjahrstour durch Deutschland beginnt. Was meint ihr: Braucht echte Selbstliebe überhaupt ein Ziel, oder ist der Versuch bereits genug?
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