Neither Up Nor Down: Dekker zwischen Licht und Schatten

von

Credit: Heinrich Prinsloo

Nach „Future Ghosts” (2024) und einigen EPs legt Dekker mit „Neither Up Nor Down“ nun sein viertes Soloalbum vor – und setzt dabei auf das Prinzip weniger ist mehr: leise Intensität, emotionale Klarheit und eine Stimme im Zentrum. Schon die Lead-Single „Let Me Take You“ machte deutlich, worum es ihm geht: nicht die große Show, sondern Räume voller Klang und Emotionen, in denen man sich verlieren und wiederfinden kann.

With Neither Up Nor Down, I was chasing a particular feeling — something hushed but steady, weighty but open … The songs didn’t take long to record, but I stayed with each one until it felt completely honest — like it was saying what it needed to, no more, no less. Every choice in the sound was about protecting that feeling.

…sagt Dekker und bleibt seiner Linie treu: reduzierte Arrangements und Songs, die mehr flüstern als schreien. Atmosphärisch sehr stark, gerade wenn man sich auf die Details einlässt – verlangt aber auch Geduld und Offenheit vom Hörer. Wer sich aber darauf einlässt, entdeckt ein Album, das zwischen Licht und Schatten, Nähe und Distanz balanciert.

Musikalisch wirkt das Album wie ein ruhiger Fluss: die Songs gehen fast nahtlos ineinander über, ohne große Brüche oder Sprünge. Das Album lebt von kleinen Details, die voller Feingefühl stecken: perkussive Nuancen, bewusst gesetzte Pausen die Ausdruck verleihen sowie subtile Melodienwechsel und Dynamiken, die sich erst beim wiederholten Hören ganz genau raus hören lassen.

Emotionale Klarheit statt große Umwege

Auch textlich sucht Dekker nicht nach großen Metaphern. Oft geht es um Liebe, Erinnerung und das Ringen mit Veränderung. „Let Me Take You“ wirkt wie ein romantisches Versprechen – nahbar formuliert, ohne große Vergleiche und durch leichte Gitarren-Melodien. In „Can’t Unsee It“ hingegen, wird es dunkler: ein Song über Dinge, die man nicht mehr vergessen oder verdrängen kann, dessen Stimmung durch deutlich zurückhaltendere Instrumentals verstärkt wird. Mit „Like We Once Did“ und „Let’s Turn Over the Leaf“ schließt das Album den thematischen Kreis: Rückschau und Aufbruch, Vergangenes akzeptieren und einen neuen Anfang wagen. Musikalisch leise, aber klar akzentuiert.

Dekker auf den Punkt gebracht

Hinter dem Künstlernamen Dekker steckt der US-amerikanische Musiker Brookln Dekker, der seine musikalische Laufbahn zunächst als Teil des Indie-Folk-Duos Rue Royale begann. Gemeinsam mit seiner Frau Ruth veröffentlichte er mehrere Alben, tourte quer durch Europa und machte sich in der Szene einen Namen für seinen warmen, reduzierten Folk-Sound. Seit einigen Jahren geht Dekker auch solo seinen Weg.

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Der große Hut der auf allen Fotos sein Gesicht verschattet ist längst zu seinem Markenzeichen geworden. Ob man das nun als Spiel mit Anonymität versteht (schließlich ist sein Aussehen kein Geheimnis) oder als bewusste Geste, den Fokus weg von der Person und hin zur Musik zu lenken – es passt zu seiner Art, sich zurückzunehmen und lieber die Songs für sich sprechen zu lassen.

Mit Neither Up Nor Down, geht Dekker auch noch einen neuen Schritt weiter – erstmals erscheint seine Musik über sei eigenes Label Useful Fictions. Damit unterstreicht er nicht nur seine künstlerische Unabhängigkeit, sondern auch seinen Anspruch, Musik konsequent nach den eigenen Vorstellungen zu veröffentlichen.

Mit dem Album geht es nun auch auf große Tour. Dafür ist auch ein Stop in seiner Wahlheimat Deutschland geplant.

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