Franzen veröffentlicht „Manchmal“ – ein Song über stille Gemeinheiten
Freud schrieb einmal, viel sei gewonnen, wenn neurotisches Elend in gemeines Unglück verwandelt werden könne. Franzen nimmt diesen Gedanken in „Manchmal“ ernst und formt daraus einen Song, der Selbstzweifel, kleine Feigheiten und stille Gemeinheiten nicht verschweigt, sondern teilt. Was bei anderen Songwriter*innen als therapeutisches Tagebuch klingen würde, wird hier zu etwas Verbindendem: Das Unperfekte wird nicht bekämpft, sondern anerkannt als etwas, das alle kennen, aber selten laut aussprechen.
„Manchmal“ erschien letzte Woche als erste von vier Singles, die Franzen in einem Sechs-Wochen-Rhythmus über Goldfisch Records veröffentlicht. Die Aufnahme entstand live im Studio, gemeinsam mit den Kölner Bands Asant und Johann Zeijl sowie der Sängerin, Tänzerin und Choreografin Maggie Fabry. Ein YouTube-Video zur Live-Aufnahme gibt Einblick in die spontane Entstehung des Songs.
Wenn Alltag Songtext wird
Der Refrain „Manchmal ist oft, aber nicht mehr jeden Tag“ klingt simpel, fast selbstverständlich, doch genau darin liegt die Entlastung: Es wird nicht leicht, aber ein kleines bisschen leichter. Franzen zählt in seiner unaufgeregten Sprache auf, was viele nicht gerne zugeben: „Manchmal fällt es mir schwer, anderen was Gutes zu gönnen / Manchmal lasse ich meine Launen an Menschen aus, die nichts dafür können.“
Kein Pathos, keine Selbstanklage, stattdessen eine nüchterne Bestandsaufnahme menschlicher Widersprüche, die nicht moralisiert, sondern vertraut klingt. Diese Art der Offenheit ist selten in der deutschsprachigen Songkultur, die oft zwischen Ironie und Überhöhung pendelt, während Franzen dazwischen einen dritten Weg sucht.
Unperfekt als Prinzip
Mit Vergleichskünstler*innen wie Gisbert zu Knyphausen oder Tristan Brusch wird Franzen einem Liedermacher-Umfeld zugeordnet, das deutsche Texte nicht instrumentalisiert, sondern ernst nimmt. Doch während andere gerne aus der Distanz erzählen, bleibt Franzen in der Ersten Person und verweigert die Flucht ins Allgemeine.
Seine Musik ist kein Trost, sondern Bejahung des Unvollkommenen. In einer Zeit, die Optimierung und Positivität feiert, setzt Franzen auf Ambivalenz ohne Auflösung. Bleibt die Frage: Braucht es heute mehr Ehrlichkeit über das, was nicht funktioniert, als Hymnen auf das, was angeblich gelingt?
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