„liebesbriefe“: Kayla Shyx singt über unerfüllte Hoffnung und Abschied
Wer jemals Liebesbriefe an jemanden geschrieben hat, der längst nicht mehr da ist, versteht vermutlich sofort, warum Kayla Shyx‘ neue Single so weh tut. Die Berlinerin verwandelt das Gefühl, gegen die eigene Hoffnung zu kämpfen, in einen Song, der zwischen neonbuntem Hyper-Pop und melancholischem Bedroom-Indie pendelt.
Ob Auslöser für den Song die kürzliche Trennung von Elevator-Boy Bene war, ist unklar, aber die Emotionen, die Kayla Shyx in „liebesbriefe“ verarbeitet, wirken spürbar echt. Statt sich in konkreten Geschichten oder Schuldzuweisungen zu verlieren, konzentriert sie sich auf das, was nach einem Abschied oft bleibt: unausgesprochene Gedanken und die Schwierigkeit, jemanden loszulassen, obwohl man weiß, dass es richtig wäre. „liebesbriefe“ erzählt nicht nur von einer bestimmten Person, sondern von einem Gefühl, das viele kennen: dem Wunsch, noch etwas sagen zu können, obwohl längst alles gesagt ist.
Verzweiflung in Neon-Ästhetik
Der Song erzählt von einem Labyrinth, in dem Kayla Shyx Liebesbriefe hinterlässt, die das Gegenüber nicht lesen will, während sie selbst „hier hinblutet, ganz ohne Sinn“. Der Track beschreibt den Moment, in dem man merkt, dass die andere Person schon längst gegangen ist, man selbst aber noch immer alles gibt. Die Produktion changiert zwischen poppigen Synthie-Flächen und intimen Momenten, in denen ihre Stimme fast bricht.
Das Musikvideo setzt diese innere Zerrissenheit in eine grelle Neon-Ästhetik um, die an 90er-Jahre-Videoclips und TikTok-Filter zugleich erinnert. Kayla tanzt in einer blauen Perücke durch neonfarben beleuchtete Räume, als wäre Bewegung der einzige Weg, die Leere zu übertönen.
Der Anfang von etwas Neuem
Vielleicht schreibt man die ehrlichsten Liebesbriefe dann, wenn man weiß, dass sie nie gelesen werden. Kayla Shyx zeigt mit „liebesbriefe“, dass Popmusik nichts besonders romantisch idealisieren muss, um zu berühren, sondern dann am stärksten ist, wenn sie die Wahrheit ausspricht.
Die Single ist der Auftakt zu einer neuen EP, die Ende des Jahres erscheinen soll, und läutet eine Phase ein, in der Kayla Shyx nicht nur auf den großen Festivalbühnen des Sommers zu sehen sein wird, sondern im Herbst auch auf ihrer ersten eigenen Tour. Kann man jemandem schreiben, der nicht mehr zuhört, oder schreibt man dann eigentlich nur noch für sich selbst?

Neustes Video
moé redet über Therapie, Fürsorge und sein Debütalbum „Geschichten die wir niemandem erzählen“. Wie aus persönlichen Erfahrungen Songs werden und warum manche Geschichten erzählt werden müssen, gibt’s jetzt auf YouTube.












