Josienne Clarke fragt in „What Do I Do“ nach der Freiheit, alles zu dürfen
„What Do I Do“ ist die zweite Single aus dem kommenden Album „Far From Nowhere“ von Josienne Clarke – und wirkt wie ein offener Monolog über Selbstzweifel und Entscheidungsmüdigkeit. Statt klarer Antworten liefert der Song ein aufgewühltes Klangbild zwischen flirrenden Gitarren, Drum-Machine und innerer Unruhe. „What do I do if I can do what I want to?“ – die erste Zeile stellt direkt den Ton des Tracks: reflektierend, ungeschützt, ungeklärt.
Der Sound unterscheidet sich spürbar vom restlichen Material des Albums, das insgesamt minimalistischer produziert wurde. Der Track wirkt getrieben, aber nicht dramatisch – eher wie das vertonte Gefühl, vor einer Entscheidung zu stehen und nicht zu wissen, ob man sie überhaupt treffen will.
Zwischen Performance und Selbstoffenbarung
Das dazugehörige Musikvideo zeigt Josienne Clarke in einem Setting, das klassische Musikvideoproduktion zitiert – und gleichzeitig auseinandernimmt. Gedreht wurde das Video von Alec Bowman Clarke, der auch den begleitenden Kurzfilm „Deluded“ realisiert hat. „What if I stop trying to be better?“ – die Lyrics treffen in Kombination mit der Bildsprache auf eine visuelle Ebene, die eher dokumentarisch als inszeniert wirkt.
Clarke wird geschminkt, gefilmt, beobachtet. Die Maske wird dabei nicht aufgesetzt, um zu verbergen – sondern um sichtbar zu machen. Der Song ist dabei weniger ein Statement als eine Momentaufnahme, die sich jeder endgültigen Interpretation verweigert. Statt Performance liefert Clarke ein Gefühl von kontrollierter Offenheit – ohne Schutzbehauptungen.
Ein Schritt ins Offene
„What Do I Do“ reiht sich stimmig in das Konzept des Albums „Far From Nowhere“ ein, das am 17. Oktober erscheint. Das Album wurde in einer abgelegenen Waldhütte aufgenommen und setzt sich hörbar mit Themen wie Isolation, künstlerischer Autonomie und struktureller Frustration auseinander.
Clarke selbst sagt dazu: „Musik zu machen fühlt sich für mich heute oft wie ein Akt des Rückzugs an.“ Genau dieses Spannungsfeld aus Flucht und Ausdruck spiegelt sich auch in dieser Single wider. Die Produktion ist reduziert, aber nicht leer – jede Zeile wirkt bewusst gesetzt, jede Pause lässt Raum zum Denken. Wer bei Clarke nach Auflösung sucht, wird sie nicht bekommen. Aber vielleicht geht es auch gar nicht darum.








