Trennungsschmerz in seiner schönsten Form: Celestes „Woman Of Faces“
Celeste ist schon seit Anfang der 2020er ein Rising Star am strahlenden, britischen Neo-Soul-Himmel. Auf ihr Debütalbum Not Your Muse folgt nun Woman of Faces. Celeste sticht heraus, wie Soul-typisch, mit einer herausragenden Stimme, die erinnert an Größen wie Amy Winehouse oder Adele.
Der Zusatz „icon“ scheint besonders mit dem zweiten Album nicht mehr fern. Woman Of Faces featured neun Songs, wobei vier schon einen Pre-Release feiern durften: On With The Show, Woman Of Faces, Time Will Tell und This Is Who I Am, wurden alle bereits vorab mit den Fans geteilt.
Celeste als „Woman Of Faces“ in epischer Aufmachung
Nun da das Woman Of Faces da ist, kann man sagen: Jeder Track hätte das Potenzial einer eigenen Vorab-Single gehabt. Jedes Arrangement ist so sorgfältig ausgearbeitet, dass die Songs auch für sich allein wirken.
Die Liebe zum Detail sieht man auch in Celestes Musikvideos. Masken, Spiegelbilder und der innere Zerfall bekommen ihren Raum vor einer Theaterkulisse, die an einen Show-Charakter früherer Epochen erinnert.
Unter jedem zweiten Song kommentieren User*innen, wann Celeste denn endlich einen Bond-Song einsingt – das Material dafür hätte sie auf jeden Fall. Besonders hoch gehalten in diesen Spekulationen wird der Titel This Is Who I Am, welcher aber tatsächlich für ein Serien-Einspieler in „The Day of the Jackal“ herhalten durfte:
Contemplating Life auf „WomAn Of Faces“
Vom Stil ihrer Songs her erinnert Celeste gerne auch an Duffy, in dem sie Selbstreflektion in ihren Songs in Worte fasst und verschiedene Situationen verarbeitet. Der Aufmacher des Albums On With the Show geht direkt deep in die feels. Im Song geht es um Trennungsverarbeitung und den fassungslosen Moment, der fast jede*n einholt, nämlich, dass das Leben um einen herum einfach weitergeht und weitergehen muss. Ein Phänomen, was sich tatsächlich nicht nur auf Liebeslagen, sondern alle möglichen einschlagenden Lebensereignisse bezeichnet, Celeste singt „And it’s a little bit absurd my world spins on“.
„The perfect staring out the window song“, Songs um am Fenster zu lehnen und über das Leben nachzudenken. Diese Introperspektive, schlaue Art des Formulierens ist vielschichtiger gelagert in Celestes Songwriting.
Celestes Spezialität: Herzschmerz featuring Wortspiele
Gleichzeitig ist On With The Show ein toller Aufmacher für das neue Album, da Celeste mit ihrem neuen Album natürlich literally „weiter mit der Show“ macht. Diese Wortspielereien sind kennzeichnend für Celeste, wie schon in ihrem Hit Strange von der Frage „Isn’t it strange?“ zu der Konklusio „From strangers to friends / Friends into lovers / And strangers again“ kommt.
Im Titeltrack Woman of Faces zaubert uns Celeste wieder eine Doppeldeutigkeit daher. Sie singt „She is a woman of all faces“ und beschreibt eine Frau die mehrere Gesichter oder Masken trägt, welches sie erklärt mit der Formulierung „To be a woman, she must face it“ – als Frau muss man der Realität (so) entgegentreten.
Im Interview mit NME erzählt Celeste von ihrer Perspektive aufs Songwriting mit Blick auf weiblichen Trennungsschmerz:
“I think that women remaining in this perpetual state of [singing about] doom and heartbreak is a really hard one to escape”
Obwohl Celeste in Woman Of Faces auch über Herzschmerz singt, shiftet der Fokus von einem männlich-zentrierten auf einen empathischeren, selbstfokussierteren Blick auf das weibliche Ich. Der Sängerin ist es wichtig diversere Narrative zu erzählen als „being broken at a man’s feet“, „gebrochen einem Mann zu Füßen liegen“.
Woman Of Faces – ein Album für die Augen, die Seele und die Ohren oder wie Ina es bei Inas Nacht auf den Punkt bringt: „Immer, wenn ich Celeste höre, denke ich Musik ist die Schönste Sache der Welt“.








