Wenn der Plan schlecht ist, macht Noonzy trotzdem ein Album draus: „Plan Is Bad“ im Oktober
Wenn ein Song sich während der Produktion selbst sabotiert, entsteht manchmal das Interessantere. Der Antwerpener Songwriter Noonzy, bürgerlich Arnaud Stockbroekx, hat aus dieser Erkenntnis ein ganzes Debütalbum gemacht und kündigt es nun für den 2. Oktober an. „Plan Is Bad“ erscheint via Play It Again Sam und die neue Single „Easy“ zeigt bereits, worum es geht: um Kontrollverlust als kreatives Prinzip.
Noonzy hat für das Album eine Handvoll Demos nach London gebracht und dort mit dem britischen Produzenten Nathan Jenkins, bekannt als Bullion, an Versionen gearbeitet, die sich radikal von den Ursprüngen entfernten. Gitarrensongs wurden ohne Gitarre aufgenommen, ganze Strophen verschwanden, Tempi änderten sich spontan. Oft durch technische Störungen, etwa eine Drum Machine, die den falschen Takt vorschlug. Diese sogenannten glücklichen Unfälle prägten den gesamten Entstehungsprozess und machten das Album zu einem Experiment in bewusster Unberechenbarkeit.
Vom Walzer zum Pop-Track, ohne das eine zu vergessen
Die Single „Easy“ begann als melancholischer 3/4-Demo, ein Walzer im klassischen Sinne, der sich dann aber in einen schnellen 4/4-Pop-Track verwandelte. Das Intro behielt jedoch den Charakter der ursprünglichen Version bei. Noonzy beschreibt es als „Moment der Stille, in dem alles ohne Widerstand existieren darf“. Erst als rhythmische Synth-Patterns und Vocal-Harmonien hinzukamen, entwickelte sich die Dynamik, die schließlich im Drum-Einsatz gipfelt, der sich laut Noonzy anfühlt „wie ein Zug, der den Bahnhof verlässt“. Die Metapher passt: Bewegung entsteht erst, wenn man sich auf etwas einlässt, das man nicht vollständig kontrollieren kann.
Mit diesem Album verabschiedet sich Noonzy bewusst von seinem bisherigen DIY-Lo-Fi-Ansatz, ohne dabei seine songwriterische Herkunft zu verleugnen. Tracks wie „Not Lost“ erinnern akustisch an frühere Arbeiten, während „All Rise“ mit Pop-Synths und hohen Vocals in neue Richtungen weist.
Wenn der Künstler zum Besucher wird
Noonzy beschreibt seine Rolle im Studio nicht mehr als die des alleinigen Architekten, sondern zunehmend als die eines Besuchers, der sich von den Prozessen überraschen lässt. Die Zusammenarbeit mit Bullion basierte auf blindem Vertrauen und dem Sprung ins Ungewisse – eine Haltung, die der Albumtitel philosophisch zusammenfasst: „The plan is bad. Let’s do it anyway.“
Noonzy hat zuvor mit seiner 2025er EP „Puppies“ und seiner 2022er EP „Post-it-tapes“ auf sich aufmerksam gemacht, bevor er nun sein erstes vollständiges Studioalbum vorlegt. Ist ein Album ohne Plan am Ende vielleicht der ehrlichere Weg?
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