Rebellion ist Neon-Pink: Paula carolina veröffentlicht zweites album „wild“
Mit „wild“ legt die Singer-Songwriterin Paula Carolina ihr zweites Album vor und macht wieder einmal klar: Sie ordnet sich weder einem Genre noch einem System unter. Mit Vorboten wie „Darf sie das?“ und „Gib mir dein Geld!“ gab sie bereits 2025 einen musikalischen Ausblick auf ihr neues Album. Fest steht: Man entdeckt Vertrautes und wird dennoch überrascht.
“Ich glaube, ein Album zu releasen, ist, wie ein Kind zu kriegen. (…) Du überlegst dir, wie es ist und dann kommt es raus, und es ist anders”, das sagte Paula Carolina im BANDUP-Interview über ihr Debütalbum “Extra” vor einem Jahr. Heute erschien ihr zweites „Kind“ und das ist in Teilen anders als erwartet.
Anders ist zum Beispiel ihr Style. Die Hannoveranerin ist von ihren zu Spikes aufgestellten Haare hin zur neon-pinken Mähne gewechselt. Diese schmückt auch großflächig das Cover ihres neuen und zweiten Albums „wild“, auf dem ihre tief-schwarz bemalten Augen lässig zur Seite gucken. In leuchtendem neon-grün steht der Titel des Albums darauf. Das Bild lässt schon erahnen, es wird schrill und es wird laut.
Mit „Der Kopierer“ setzt Paula Carolina musikalisch genau dort an, wo sie in ihrem letzten Album aufgehört hat. Der Song setzt sich auf zynische und direkte Weise mit Themen wie Urheberrecht, Originalität und gesellschaftlicher Oberflächlichkeit auseinander, getrieben von Amps und choralem Sprechgesang. Mit Tracks wie „Immatrikulationsbescheinigung“ ,“Zecke“ und „Gib mir dein Geld“ gehört er definitiv zu den rockigeren, systemkritischen Tracks auf dem Album, die Paula Carolina zeigen, wie wir sie kennen.
Independent Attitude statt Labelstruktur
Paula Carolina ist mit diesem Album unbändig unabhängig. Wirft man den Blick auf die Copyrights ℗ (P) und © (C) bei den Streaming-Dienstleistern, fällt schnell auf: Mit diesem Album tritt die Sängerin als really independent artist nach außen. Veröffentlichte sie auf ihrem Debüt “Extra” noch unter dem Label superpolrecords, so steht bei “wild” nun ihr eigener Name in den Copyrights. Die Frau ist eine Macherin!
Die Liebe kommt auf „wild“ aber nicht zu kurz. Über sie und die Zuneigung die damit einhergeht, singt Paula Carolina ganz offen und unverblühmt in „Sex und Liebe“. Sex geht nicht ohne Liebe und Liebe geht nicht ohne Sex. Und consens ist übrigens sexy. Die 27-Jährige verzichtet auf vulgäre Ausdrücke und dennoch weiß man, was sie meint, wenn sie singt „Weil Baby nur mit einem Blick hast du mich richtig hart geliebt“.
Die NDW-Synthies verleihen dem Song zusammen mit dem eindringlichen Gitarren-Riff den nötigen Kick, der dich dazu bringt, den Namen deines Crushs einmal laut rauszuschreien.
paula carolina rebelliert mit edding-stift
Was bleibt von uns und unserem Wirken übrig, wenn wir mal nicht mehr sind? Und wen interessierts eigentlich? Damit beschäftigt sich der absolute Überraschungssong auf der Platte: „Ich war hier“. Ein Lied, das mit jazzigen Einflüssen und Trompetenspiel so ganz anders ist, als der Rest. Zu Beginn des Songs beschränkt sich Carolina nur auf ihre Stimme und das Piano. Erst im Laufe des Stücks kommt die Band hinzu, bildet aber eine dichte, und sanftere Klangfläche als sonst.
Melancholisch singt Paula Carolina „Ich war hier und es hat wirklich niemanden interessiert, und es ist auch eigentlich nichts passiert, ich frag mich, war das nur grad eben so oder mein ganzes Leben so?“. Mit Edding auf Gegenstände „Ich war hier“ kritzeln als eine Ausdrucksform von Rebellion und Existenzbehauptung. Und egal wie tief die Lyrics unter die Haut gehen, Paula Carolina schafft selbst das als groovigen Gute-Laune-Song klingen zu lassen.
Das neue Album ist weniger Pop und Techno-Gestampfe dafür noch mehr livetauglicher Indie-Rock mit zackigen NDW-Sounds und dem ein oder anderen neuen Genre-Einfluss. Thematisch bleibt sich die Songwriterin treu: Ironische Gesellschaftskritik vom Feinsten. Mir als weibliche Zuhörerin fehlen jedoch die feminstischen Statements, die im Debüt-Album “Extra” durch Songs wie “Danke Dirk” oder “Sie liebt dich nicht” weitaus präsenter waren und hier definitiv zu kurz kommen.
Wer Paula Carolina und ihr Album „wild“ nun live erleben will, hat im April und Mai 2026 die Chance dazu: Dann startet sie ihre „Ich war hier“ – Tour zum Album. Die Termine sucht ihr euch am besten in unserem Eventkalender raus.
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