Farveblind veröffentlichen Single „Battle Lady-Like“ mit Foreign Air
Farveblind veröffentlichen mit „Battle Lady-Like“ einen Track, der elektronische Musik von Grund auf neu denkt. Das Trio aus Kopenhagen arbeitet seit Jahren an einem Stil, der sich nicht eindeutig einordnen lässt: Breakbeats, Acid-Elemente, Techno, Punk-Wut und filmische Flächen treffen aufeinander, ohne sich gegenseitig zu übertönen. Für ihre neue Single haben Farveblind den US-Artist Jesse Clasen vom Duo Foreign Air eingeladen, dessen Stimme der Songidee ein eigenes Gewicht gibt. „Battle Lady-Like“ wirkt wie ein Brennglas für Themen wie Erschöpfung, Widerstandslosigkeit und das Gefühl, nicht mehr mitspielen zu wollen in einer Welt, die ständig etwas fordert. Der Refrain „These feet will never march“ bricht diesen Zustand auf wenige Worte herunter.
Inhaltlich arbeitet die Single mit Bildern, die bewusst überzeichnet wirken. Kredithaie, Tunnel, Alkohol, nächtliche Szenen – all das wirkt wie Fragmente aus einem überdrehten Film. Farveblind beschreiben die Entstehung des Tracks selbst als chaotisch, zufällig und ungeplant. „Der Mellotron-Part war ein Versuch, etwas Jazziges zu schreiben. Dann kam nachts diese Led-Zeppelin-Doku dazu – und plötzlich standen die Drums.“ So erzählt es die Band. Über zwei Jahre blieb das Projekt unvollendet, bis die Idee an Jesse Clasen und Jacob von Foreign Air ging, die dem Song eine neue Struktur gaben. Durch die gemeinsame Arbeit entstand ein Track, der sich bewusst unruhig anfühlt und Emotionen nicht ordnet, sondern nebeneinander stehen lässt.
Zwischen Club, Punk und Kontrollverlust
Musikalisch bewegt sich „Battle Lady-Like“ irgendwo dort, wo elektronische Härte und menschliche Überforderung aufeinandertreffen. Die Bassline dröhnt konstant, der Rhythmus schlägt wie ein Herz, das zu schnell läuft. Farveblind setzen auf Sounds, die nicht beschönigen, sondern Zustände abbilden. Gleichzeitig bringt Jesse Clasen eine theatralische Spannung ein, die er selbst mit dem Öffnen eines Comics vergleicht: „Ich wollte, dass man direkt in der Mitte der Geschichte landet – intensiv und ohne viel Erklärung.“ Dieser Ansatz zieht sich durch den gesamten Track, der keine klare Erzählung vorgibt, sondern Momente anbietet, die man selbst zusammensetzen kann.
Produzent Gustav Brunn – bekannt durch Arbeiten für Artists wie Viagra Boys oder Yung Lean – hat dem Song seine scharfen Kanten gelassen. Dadurch wirkt die Single wie ein musikalisches Ventil: laut, dunkel, aber immer mit einer gewissen Klarheit im Aufbau. Für Farveblind ist es auch ein logischer nächster Schritt nach „Salary Man“, einem Track über den monotonen Arbeitsalltag. „Battle Lady-Like“ setzt da an, wo Routine kippt und Apathie einsetzt – ein Gefühl, das vielen bekannt vorkommen dürfte.
Warum Farveblind gerade jetzt relevant sind
Farveblind haben sich in den letzten Jahren einen Ruf erarbeitet, der vor allem live Gewicht hat. Auf Festivals wie Roskilde, Eurosonic oder dem Reeperbahn Festival gelten sie als Act, der Grenzen verschwimmen lässt – mal Club, mal Chaos, mal Punk-Ekstase. Genau diese Mischung macht „Battle Lady-Like“ spannend für ein junges Publikum, das sich nicht mit Genres, sondern mit Stimmungen identifiziert. Der Track verbindet Wut, Müdigkeit und Trotz zu einer Form, die nicht gefällig sein will, aber zugänglich bleibt. Dadurch entsteht eine Musik, die nicht erklärt, sondern ausgelöst wird.
Das kommende Debütalbum von Farveblind dürfte diesen Ansatz weiterführen. Auch weil „Battle Lady-Like“ zeigt, wie gut das Trio darin ist, externe Stimmen – wie die von Foreign Air – in die eigene Ästhetik einzubinden. Der Song macht neugierig darauf, wie ihr Sound funktioniert, wenn er länger denkt, größer baut und mehr Raum bekommt. Für alle, die elektronische Musik mögen, aber keine Lust auf Schablonen haben, dürfte diese Veröffentlichung ein spannender Einstieg sein.
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