OG LU’s „assig aber cute“ – Ein Tape zwischen Härte und Haltung
OG LU macht keine Kompromisse. Die Rapperin aus dem Frankfurter Gallusviertel geht auch auf ihrem zweitem Solo-Tape „assig aber cute“ mit konsequenter Attitüde voran und nimmt kein Blatt vor den Mund. Das Tape ist energiegeladen wie eine Sparringseinheit im Boxstudio. Warum wir trotz gewohntem Frankfurter Straßensound dennoch eine neue Seite von OG LU kennenlernen und was das Release sonst noch verspricht, schauen wir uns jetzt an.
„assig“ und „cute“ – genau diese beiden Adjektive sieht OG LU als die treffendsten Beschreibungen ihrer Persönlichkeit. „Ich habe dieses Frankfurter Assi-Herz, aber ich mach’s auf cute, nicht auf Gangster“. Aus diesem Gedanken entstand der Titel, der sich wie ein direktes Abbild ihrer eigenen Identität anfühlt.
Frankfurter Straßensound
Der Frankfurter Straßensound ist unverkennbar, und die Einflüsse von Künstlern wie Haftbefehl oder Hanybal sind kaum zu überhören. OG LU rappt auf harten, unpolierten Beats. Beispielhaft dafür ist der Track „O’Malley“. Die Kicks sind druckvoll und vibrierend, dazu kommen kurze Snares und ein simpler Loop der Grundmelodie. So entstehen minimalistische und düstere Beats, die viel Raum für Vocals lassen.
Diese Vocals wiederum kommen mit wenig Hall und klingen so, als säßen sie direkt am Ohr. Ihre tiefe Stimmlage, sowie der Fokus auf Attitüde statt technischer Überperformance, unterstreichen den Frankfurter Straßensound und sind optimal auf die Beats abgestimmt.
Ein ähnlicher Sound wie auf „O’Malley“ zieht sich durch den Großteil des Tapes. Abgesehen vom „Intro“ weichen nur die beiden Tracks „Knoppers“ und „French Kisses“, produziert von Traya, stilistisch etwas ab. Die für den Kölner Produzenten typischen 808s wirken noch präsenter und rücken stärker in den Vordergrund, wodurch die ohnehin schon massiven Bässe noch dominanter erscheinen.
Kritisch, Rau und authentisch
Wie schon angedeutet steht das „Intro“ im Kontrast zum gesamten restlichen Tape. Es ist der einzige Track, der eher ruhig und nachdenklich wirkt. OG LU zeigt hier eine Seite, die man bisher maximal aus einer Piano-Cypher mit dem kanadischen Musiker Chilly Gonzales kannte.
Sie gibt persönliche Einblicke und erzählt vom Aufwachsen im Gallusviertel sowie von der Schere zwischen Arm und Reich, die in Frankfurt besonders deutlich sichtbar wird: „Ihr nennt es Zombieland, doch für uns ist das hier normal / Den meisten ging es besser, als es nicht einhundert Dokus gab“
Generell ist „assig aber cute“ häufig gesellschaftskritisch und politisch. Auf „Komm“ spricht OG LU über politische Inhalte wie rechte Gewalt. Auf „Hasskick“ setzt sie das gemeinsam mit Rap-Kollegin Wa22ermann fort und spricht mit Lines wie „fühle mich erst frei, wenn Freiheit auch in Falastin ist“ über die Vorwürfe des Völkermords in Palästina, kritisiert männliche Stereotype und setzt sich für den Support von Female Artists ein:
„Er darf mich nach Hause fahr’n, aber bleibt dann vor der Tür / Bin kein Bunny, sondern Playerin und gut in diesem Spiel / Treffe Wa22ermann bei ihr in Kreuzberg oder in mei’m Viertel / Das ist eine wahre Schwester, geh ma’ weg mit Industry-Shit“
Als stetige Konstante auf „assig aber cute“ bleiben der raue Straßenjargon, sowie ihre enge Verbundenheit zum Thaiboxen. Eine Kombination, die sich hervorragend eignet, um Punchlines zu platzieren – wie sie auf „Hanni & Nanni“ eindrucksvoll beweist:
„Schwester hat Stress, also box’ ich mich / Ich hab’ kein’n Plan, wer du Opfer bist / Was du verdienst, Junge, bockt mich nicht / Ich weiß nur, dass du heut noch ein’n Korb kassierst“
Die Platte ist nicht nur ein Abbild ihres musikalischen Werdegangs. Die Themenvielfalt und der lyrische Stil zeigen auf authentische Art und Weise, wo sie herkommt und was sie beschäftigt.
Ein Tape für die Bühne
OG LU brilliert auf „assig aber cute“ nicht nur mit hartem Sound. Sie nimmt sich den Raum, den sie braucht, um ihre Welt zu erklären, und verbindet das mit unverwechselbarem Frankfurter Straßensound.
Wer ein Manko suchen möchte, kann anmerken, dass der Großteil der Tracks bereits vorab erschien. Doch wer das Tape hört, merkt schnell, dass diese Kritik im Keim erstickt wird. Denn OG LUs schonungslose und direkte Art zu rappen legt den Fokus unmittelbar auf die Musik selbst.
„assig aber cute“ klingt laut, roh und energetisch. Genau deshalb kann man sich auf die Live-Umsetzung freuen – was auch OG LUs Intention war, wie sie im Podcast „Hyped“ von Aria Nejati erzählt: „Ich wollte einfach ein geiles Tape machen, was live auch gut funktioniert“.
Im Dezember geht es für OG LU auf Tour. Dann wird sich zeigen, ob „assig aber cute“ live genauso kraftvoll wirkt, wie es die Aufnahmen vermuten lassen.
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