Tove Styrke: Zwei Songs, eine Nacht und analoge Synthesizer
Ein Konzeptalbum, das eine einzige Nacht chronologisch erzählt und dabei bewusst auf Gesang als Hauptrolle verzichtet, klingt nach Experiment statt Popmusik. Tove Styrke macht mit „The Afterparty“ genau das und lässt analoge Synthesizer die Hauptrolle übernehmen, während ihre Stimme zur gleichberechtigten Ebene wird. Die beiden Vorab-Singles „Song and Dance Man“ und „Let’s Go Camping“ geben einen ersten Einblick in die 47-minütige Nachtreise.
Oberflächlich betrachtet begleiten wir eine Person durch verschiedene Ereignisse auf einer Party. Die beiden Songs markieren unterschiedliche Phasen innerhalb dieser Erzählung: „‚Song and Dance Man‘ befindet sich noch recht am Anfang des Albums und der Geschichte. Alles sieht vielversprechend aus, man fühlt sich selbstbewusst und hat Spaß“, erklärt Tove Styrke. Bei „Let’s Go Camping“ wird die Stimmung intensiver und leicht manisch, die Grenze zwischen Realität und Einbildung beginnt zu verschwimmen.
Analoge Ästhetik und nostalgische Bildsprache
Die Musikvideos, die unter der Regie von Natalie Olenheim Boija entstanden sind, sind Collagen, die laut Tove Styrke „ein Gefühl von Leben, Freiheit und Nostalgie einfangen sollen“. Die Digicam-Ästhetik aus den 2000ern passt perfekt zum Sound, der ausschließlich mit analogen Synthesizern aus den 70er- und 80er-Jahren eingespielt wurde. Kein Sample, keine digitale Nachbearbeitung, nur Live-Drums, E-Bass und Maschinen, die älter sind als viele ihrer Hörer*innen.
Mit einer Leichtigkeit tanzt sich Tove durch die beiden Musikvideos. Ballettschuhe, Stiefel, Blazer, dann Discokleid. Die Bilder zoomen heran, dann wieder weg, wiederholen sich in Loops und wechseln zwischen Farbe und Schwarz-weiß. Dazu Glitzer und Champagner-Gläser . Die Videos fangen die Ästhetik einer durchtanzten Nacht perfekt ein und verwandelt sie in in etwas Künstlerisches.
Nähe statt Distanz
Für die Herbsttournee hat Tove Styrke kleinere Locations gewählt, um das Album-Erlebnis live besonders zu gestalten. „Ich habe bewusst Spielstätten ausgewählt, die ein konzentrierteres Zuhören ermöglichen, gleichzeitig aber genug Raum lassen, damit die Shows spontan und lebendig bleiben können“, erklärt sie. Ihr Interesse liegt darin, die Distanz zwischen Bühne und Publikum ein Stück weit aufzubrechen, ein Ansatz, der zum Konzept des Albums passt.
So lebt die Atmosphäre des Albums auch auf der Bühne weiter. Die Konzerte wirken persönlich und nah, fast wie eine gemeinsame Nacht auf der Tanzfläche statt einer klassischen Show. Und man fühlt sich vielleicht selbst, als wäre man in einem Club in den 80ern. Glaubt ihr, dass analoge Produktionen heute noch einen Unterschied machen, oder geht es am Ende nur um gute Songs?
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