Wenn Musik verbindet: Der neue Charity Sampler HELP(2)

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31 Jahre nach dem ersten HELP Sampler könnte es keinen besseren (oder schlimmeren) Zeitpunkt geben, um einen Nachfolger des legendären Charity-Albums zu veröffentlichen. Mit HELP(2) mobilisiert War Child die Musikwelt zu einem gemeinsamen Projekt, um dort zu helfen, wo Politik vielerorts versagt.

Sämtliche Erlöse des neuen Albums, das am 6. März erschien, gehen an die Hilfsorganisation, um Kinder in Kriegsgebieten zu unterstützen. Das Album macht Verbindungen hörbar, die weit über Genregrenzen hinausreichen. Mit seiner beeindruckenden Vielfalt an Interpret*innen und musikalischen Richtungen zählt es zu den spannendsten Samplern der letzten Jahre.

Comebacks und rare Aufnahmen

Das Konzept des neuen Samplers bleibt dabei dem Geist des Originals von 1995 treu: Künstler*innen kommen zusammen, schreiben oder interpretieren Songs innerhalb kürzester Zeit und stellen ihre Arbeit vollständig in den Dienst eines humanitären Zwecks – mehr Hintergrundinfos findet ihr hier.

Die Tracklist zeigt, wie groß die Tragweite des Projekts ist: Für mehrere beteiligte Acts ist es die erste neue Musik seit Jahren.

So sorgte bereits die erste Single „Opening Night“ der Arctic Monkeys für Aufschrei in der Fan-Community: Der Song markiert die erste Veröffentlichung der Band seit “The Car” (2022). Auch Depeche Mode liefern mit „Universal Soldier“, einem Cover des gleichnamigen Songs von Buffy Sainte‑Marie aus dem Jahr 1963, ihre erste neue Aufnahme seit dem letzten Album Memento Mori (2023). Und auch der letzte Track „The Book Of Love“ von Olivia Rodrigo ist ihre erste neue Studioaufnahme seit der Deluxe-Version ihres Albums “Guts” vor zwei Jahren.

Anti-Kriegs-Hymnen mit klarer politischer Message 

HELP(2) ist ein Sammelsurium von Anti-Kriegs-Songs. Zwar tragen nicht alle Songs eine politische Botschaft – manchmal geht es auch einfach nur um Liebe, wie im dramatisch-theatralischen “Let’s Do It Again” von The Last Dinner Party, oder um das Gefühl des zu schnellen Lebens, wie in Wet Legs „Obvious“. Trotzdem – die Message ist klar: “Flags“, der gemeinsame Track von Damon Albarn (Gorillaz/ Blur), Grian Chatten (Fontaines D.C.) und Kae Tempest zeichnet das Bild einer Welt, in der Flaggen noch anders wehten – „You feel the fear where you once felt pride.“

Depeche Mode verwandeln “Universal Soldier” in eine düstere, synthgetriebene Interpretation, die die zeitlose Anti-Kriegs-Botschaft des Originals neu auflädt: Egal für was oder wen du kämpfst – für Frieden zu töten wird niemals Frieden bringen. Foals setzen mit „When The War Is Finally Over“ dagegen auf Hoffnung und singen einen Song über Liebe, Empathie und Verständigung als Grundlage für Frieden.

Auch Fontaines D.C. covern einen Anti-Kriegs-Klassiker: Mit ihrer Version von „Black Boys On Mopeds“, ursprünglich von Sinéad O’Connor aus dem Jahr 1990, zeigen auch sie: Leider sind die gleichen Zeilen auch 36 Jahre später noch erschreckend aktuell: „England’s not the mythical land of Madame George and roses / It’s the home of police who kill black boys on mopeds“. 

HELP(2): Neu-Interpretationen alter Klassiker

Neben Depeche Mode und Fontaines D.C. finden sich auf HELP(2) noch weitere Cover, die wunderschöne zeitgenössische Versionen darstellen. So liefert Beth Gibbons ein melancholisches Cover des Velvet-Underground Hits “Sunday Morning”, beabadoobee interpretiert Ellioth Smiths “Say Yes” in einer warmen, modernen Neuauflage und Olivia Rodrigo liefert eine wunderbar sanfte Coverversion von “The Book Of Love” der Magnetic Fields. 

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Versteckte Britpop-Überraschung von Oasis

Neben den 23 regulären Tracks gibt es zudem eine besondere Bonus-Veröffentlichung: eine Stand-Alone 7”-Single mit einem versteckten Track, die in der Vinyl-Ausgabe erhältlich, aber auch auf Streamingplattformen zu hören ist. Darauf findet sich „Acquiesce (Live From Wembley Stadium, 28 September ’25)“ von Oasis, einer Aufnahme aus ihrer letzten spektakulären Comeback Tour. Bereits beim ersten HELP-Sampler von 1995 waren Oasis beteiligt und schließen so mit ihrer neuen Live-Single den Kreis.

Verbindungen jenseits von Genregrenzen

Musikalisch bewegt sich HELP(2) zwischen intimem Singer-Songwriter-Sound, energetischem Indie-Rock und R&B-Einflüssen. Dort gibt es zum einen energetische, laute Tracks, wie das verzerrte „Begging For Change“ (Pulp), die „Acquiesce“-Live Single (Oasis), oder aber das galoppierende „Let’s Do It Again“ (The Last Dinner Party). Auch „Universal Soldier“ (Depeche Mode) und „Black Boys On Mopeds“ (Fontaines D.C.) liefern geballte Energie mit vielschichtigen Klanglandschaften.

Dem gegenüber stehen viele zarte, verträumte Harmonien, wie „Sunday Morning“ (Beth Gibbons), „Say Yes“ (beabadoobee), „Lilac Wine“ (Arooj Aftab & Beck) oder die sanfte Ballade „Obvious“ (Wetleg). R&B-Einflüsse finden sich ebenso – mal loungig in „Nothing I Could Hide“ (Arlo Parks) oder dub-lastig in „Helicopters“ (Ezra Collective & Greentea Peng). Besonders herausstechend ist „Flags“ (Damon Albarn, Grian Chatten & Kae Tempest): Eine gefühlvolle Single, die durch den Kinder- und All-Star-Künstler*innen-Chor schon fast etwas sakrales hat.

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Dabei wirkt das Album auf keinen Fall wie eine Sammlung schnell produzierter Charity-Songs oder aufgewärmter Singles, sondern liefert sorgfältige Produktionen, die ehrliche politische Botschaften innehaben. Es entsteht eine bunte Mischung, die trotz der Verschiedenheit oder gerade deshalb wie ein gut durchdachtes Gesamtkonzept wirkt.

Diese Vielfalt ist zugleich die größte Stärke des Albums: Die 23 Tracks zeigen, wie sich Artists über alle Genregrenzen hinweg zu einem übergeordneten Projekt zusammentun, um gemeinsam Hilfe zu leisten. 

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