Tally Spear im Interview über neue EP „Bittersweet“ und den Umgang mit Trauer

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Am Klavier in ihrem Elternhaus schrieb Tally Spear den Titeltrack für ihre neu veröffentlichte EP „Bittersweet“. Es ist ein Song über Verlust und den Umgang mit Trauer. Die EP bewegt sich in einem Zustand des „Dazwischenseins“ und verarbeitet alltägliche Situationen in nachdenklichen Songtexten.

Hey, ich bin Tally Spear. Ich mache sehr ehrliche Pop-Rock-Musik über all die Dinge, die mich beschäftigen, die ich aber nicht immer laut ausspreche.

BANDUP: Dein Sound vereint Alternative Rock, Pop und Punk und erinnert an Artists wie Avril Lavigne oder Yungblud. Haben diese deinen Stil beeinflusst oder wie hast du deine Liebe zu diesem Genre entdeckt?

Tally Spear: Als Teenager habe ich im Auto meiner Eltern immer Avril-Lavigne-CDs gehört und so laut ich konnte mitgesungen. Ich liebte die kraftvolle, weibliche Wut in ihrer Musik, und ich hoffe, meine Musik kann das auch für andere sein! Dieses Genre ist für mich eine Möglichkeit, Energie zu verarbeiten und auszudrücken und dadurch mit anderen in Kontakt zu treten.

BANDUP: Du hast gerade deine EP „Bittersweet“ veröffentlicht. Der Name klingt sehr nach Gegensätzen. Was bedeutet dir dieser Titel persönlich?

Tally Spear: Ich finde, im Leben geht es oft um Gegensätze. Meine Musik ist an sich bittersüß, denn sie thematisiert Verlust, Kampf und Unsicherheit, ist aber gleichzeitig auch bedeutungsvoll, bestärkend und aufregend – wie zwei Seiten einer Münze. Keine Seite kann ohne die andere existieren. Dunkelheit und Licht, Bitterkeit und Süße. Ich glaube, alles im Leben ist bittersüß.

BANDUP: Wenn du über dein Leben im Moment nachdenkst: Was fühlt sich eher „süß“ und was eher „bitter“ an?

Tally Spear: Süß ist, dass ich Musik teile, die andere berührt, und dass ich dadurch mit anderen über Trauer und Verlust sprechen kann. Bitter ist, dass wir überhaupt Verluste erleiden mussten!

Verdrehte Welt nach dem Verlust

BANDUP: Deine Inspiration für die Lieder kommt aus alltäglichen Situationen und eigenen Erfahrungen – auch aus Trauer. Viele Menschen verbinden Trauer mit einem klaren Weg von der Dunkelheit zum Licht – du zeichnest ein anderes Bild. Warum war es dir so wichtig, diese Perspektive des „Dazwischen“ zu zeigen? Und wie hast du sie erlebt?

Tally Spear: Trauer hat kein endgültiges, perfektes Ziel, keinen Weg zum „Licht“, ohne dass die Dunkelheit noch präsent ist. Es ist gerade dieser Zwischenraum zwischen Licht und Dunkelheit, in dem wir Trost, Freude und Sinn finden müssen. Genau das lerne ich gerade.

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BANDUP: Wie hast du das „Upside-Down“ in diesem Trauerprozess erlebt?

Tally Spear: Das Lied „Upside Down“ beschreibt die Welt um mich herum in den ersten Tagen nach dem plötzlichen Tod meines Vaters. Die Umgebung ist vertraut, aber plötzlich fühlt sich alles auf den Kopf gestellt an – düsterer, unheimlicher, wie eine neue Version der Welt, mit der man sich erst vertraut machen muss! Ich bin nach dem Tod meines Vaters in die Bibliothek gegangen und habe viele Bücher über Trauer gelesen, weil mir klar wurde, dass es ein echter Lernprozess ist.

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Die Kunst, sich zu öffnen: Nähe im Songwriting

BANDUP: Deine Lieder sind sehr persönlich und emotional. Wie schaffst du es, so intime Themen in den Sessions anzusprechen und dich anderen zu öffnen? Und wie gehst du an den kreativen Prozess heran, diese Gefühle in Musik zu übersetzen?

Tally Spear: Ich denke, es ist besonders wichtig, sich mit der Person, mit der man arbeitet, wohlzufühlen. Dadurch konnte ich so intime Themen schreiben und aufnehmen. Aber generell war ich schon immer ein sehr offener Mensch und hatte nie Probleme damit, mit anderen über meine Gefühle zu sprechen. Deshalb bin ich Songwriterin! Andere kennenzulernen und generell viel von mir preiszugeben, ist mein liebstes Hobby, lol.

Den inneren Kompass finden

BANDUP: Dieses Gefühl, das du in deinem Song „Where Do I Go From Here?“ beschreibst – sich im eigenen Leben verloren zu fühlen und nicht genau zu wissen, wohin die Reise gehen soll – ist wirklich beängstigend. Hast du einen Rat für Menschen, denen es genauso geht?

Tally Spear: Sich wieder mit dem jüngeren Ich verbinden. Sich daran erinnern, was dem jüngeren Ich Freude und Begeisterung bereitet hat, und sich an das Selbstvertrauen erinnern, das man einst hatte, bevor all die Selbstzweifel, Vergleiche und der ganze Lärm uns verunsichert haben.

Wenn wir unsicher sind, welchen Schritt wir als Nächstes gehen sollen, ist es meiner Meinung nach eine gute Idee, das zu tun, was mit unseren ursprünglichen Träumen übereinstimmt, auch wenn der Weg beschwerlich und lang erscheint.

BANDUP: Mit Blick auf die Zukunft: Wo siehst du dich kreativ? Welche Geschichten möchtest du unbedingt erzählen und wie möchtest du dich als Künstlerin weiterentwickeln?

Tally Spear: Ich freue mich darauf, immer mehr in mich selbst hineinzuwachsen und mich in meiner Identität als Künstlerin, als Stimme und als Songwriterin sicherer zu fühlen. Es war ein langer Weg, herauszufinden, wer „ich“ eigentlich bin, Dinge auszuprobieren und zu sehen, was passt und was Bestand hat.

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Ich möchte mich selbst herausfordern und sehen, was ich außerhalb meiner Komfortzone wirklich leisten kann, zum Beispiel live auftreten, reisen und intimere Seiten von mir online und mit meinen Fans teilen.

BANDUP: Und zu guter Letzt: Welchen Song eines anderen Künstlers würdest du unserer Community empfehlen?

Tally Spear: „The Downfall – Stripped“ von LEAP 🙂